ChatGPT vs Claude: welcher Assistent für welche Arbeit
Kurz gesagt: ChatGPT ist das vielseitigere Paket mit Bildgenerierung, Sprachmodus und großem Ökosystem. Claude punktet bei langen Dokumenten, sorgfältigen Texten und der Arbeit in Projekten mit eigenen Dateien. Beide kosten im Einzelabo 20 US-Dollar im Monat und haben brauchbare Gratisversionen. Am Ende entscheidet ein eigener Test mit deinen typischen Aufgaben.
Die Frage „ChatGPT oder Claude?“ wird meist beantwortet, als ginge es um ein Fußballspiel. Benchmark-Tabellen, Punktwertungen, ein Sieger. Für den Alltag taugt das wenig. Die Modelle beider Anbieter wechseln alle paar Monate, und wer heute in einem Test vorn liegt, ist es beim nächsten Update vielleicht nicht mehr.
Stabiler sind die Unterschiede im Paket drumherum: was die Apps können, wie man mit eigenen Dateien arbeitet, was es kostet und wie mit Daten umgegangen wird. Darum geht es hier.
Der Kurzvergleich
| Kriterium | ChatGPT | Claude |
|---|---|---|
| Gratisversion | ||
| Einzelabo pro Monat | 20 $ (Plus) | 20 $ (Pro), 17 $ bei Jahreszahlung |
| Bilder erzeugen | ||
| Lange PDFs analysieren | ja, bis 1.000 Seiten | |
| Projekte mit eigenen Dateien | ja, gratis bis 5 Projekte | |
| Eigene Assistenten teilen | ja (GPTs) | teilweise |
| Training mit Eingaben (Privattarif) | an, abschaltbar | an, abschaltbar |
| Team-Tarif ohne Training |
Preise in US-Dollar ohne Steuern. Funktionen und Preise ändern sich häufig.
Quelle: Preis- und Hilfeseiten von Anthropic und OpenAI, Oktober 2026
Die Preise für das Einzelabo sind seit Langem gleich: 20 Dollar im Monat. Claude gibt laut Preisseite bei jährlicher Zahlung einen Rabatt auf 17 Dollar monatlich. Oberhalb davon gibt es bei beiden teurere Stufen mit mehr Nutzung, bei Claude „Max“ ab 100 Dollar. Für die meisten Selbstständigen sind die nicht nötig.
Wo ChatGPT die Nase vorn hat
ChatGPT ist der Generalist. Bilder erzeugen, per Sprache plaudern, eigene GPTs aus einem großen Verzeichnis nutzen: Wer ein Werkzeug für alles sucht, bekommt hier das breiteste Angebot. Gerade für Leute, die neben Texten auch mal ein Titelbild, ein Social-Media-Motiv oder eine schnelle Skizze brauchen, spart das ein zweites Tool.
Dazu kommt die Verbreitung. Viele Anleitungen und Vorlagen setzen ChatGPT voraus, viele Kolleginnen auch. Das klingt banal. Wenn du im Team etwas erklären oder eine Vorlage teilen willst, ist es aber ein echter Vorteil.
Wo Claude überzeugt
Claude ist stark, wenn es um längere Texte und Dokumente geht. Die Uploadgrenzen sind großzügig: laut Anthropic-Hilfe bis zu 1.000 Seiten pro PDF und 20 Dateien pro Chat. Die ersten 100 Seiten eines PDFs wertet Claude auch visuell aus, also mit Diagrammen und Tabellen.
Ein unterschätzter Punkt sind Projekte. Darin legst du Dateien und feste Anweisungen ab, die in jedem Chat des Projekts gelten. Das gibt es auch bei ChatGPT. Bei Claude kann man laut Hilfe aber schon in der Gratisversion bis zu fünf Projekte anlegen.
Beim Schreibstil gehen die Meinungen auseinander. Vielen Vergleichen zufolge schreibt Claude natürlicher und mit weniger Floskeln. Das ist Geschmackssache und hängt stark vom Prompt ab. Ein guter Prompt mit Stilprobe holt aus beiden ähnlich gute Texte heraus.
Datenschutz: kaum Unterschiede, aber eine wichtige Einstellung
Bei beiden Anbietern gilt in den Privattarifen dasselbe Muster: Deine Eingaben können zum Training verwendet werden, wenn du es nicht abschaltest. Bei ChatGPT heißt der Schalter „Das Modell für alle verbessern“; laut OpenAI-Hilfe werden temporäre Chats nicht fürs Training genutzt und nach 30 Tagen gelöscht. Anthropic beschreibt das Training in den Tarifen Free, Pro sowie Max als Opt-out.
Bei den Business-Tarifen ist das Training bei beiden von vornherein aus. Wer Kundendaten verarbeitet, sollte ohnehin dort landen, weil es nur dann einen Auftragsverarbeitungsvertrag gibt. Was das für die DSGVO bedeutet, steht im Ratgeber ChatGPT und Datenschutz.
Welche Aufgabe zu welchem Werkzeug passt
Eine Tabelle mit Gewinnern wäre unseriös, weil sich die Modelle zu schnell ändern. Tendenzen lassen sich aber benennen, und sie hängen weniger an der Intelligenz der Modelle als an den Funktionen der Apps.
| Aufgabe | Tendenz | Warum |
|---|---|---|
| Social-Media-Bild, Titelgrafik | ChatGPT | erzeugt Bilder direkt im Chat |
| Unterwegs per Sprache diktieren | ChatGPT | ausgereifter Sprachmodus in der App |
| 200-seitigen Bericht auswerten | Claude | hohe Seitengrenze, visuelle Analyse der ersten 100 Seiten |
| Längere Texte im eigenen Stil | beide | entscheidend ist die Stilprobe |
| Fertige Vorlage aus dem Netz nutzen | ChatGPT | großes Verzeichnis eigener GPTs |
| Feste Unterlagen für ein Kundenprojekt | beide | Projekte mit Dateien gibt es bei beiden |
Die Tabelle ist eine eigene Einschätzung, keine Messung. Sie soll dir helfen, den Selbsttest weiter unten auf die richtigen Aufgaben zu lenken.
Was kleine Teams zahlen
Sobald mehr als eine Person den Assistenten beruflich nutzt, führt am Team-Tarif kaum ein Weg vorbei. Nur dort gibt es zentrale Verwaltung, Training standardmäßig aus und einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung. Anthropic nennt für Claude Team einen Standardplatz für 25 Dollar bei monatlicher Zahlung oder 20 Dollar bei Jahreszahlung, für zwei bis 150 Personen. OpenAI nennt für ChatGPT Business dieselben Beträge, ebenfalls ab zwei Personen; je nach Land können die Preise abweichen.
Für ein Dreierteam heißt das grob 60 bis 75 Dollar im Monat. Das ist nicht viel, aber auch nicht nichts. Teste deshalb erst mit einer Person einen Monat lang, ob der Assistent tatsächlich jeden Tag geöffnet wird.
Der Selbsttest: drei Prompts, eine halbe Stunde
Statt fremden Bestenlisten zu glauben, teste beide Gratisversionen mit deinen eigenen Aufgaben. Drei Prompts reichen, wenn sie aus deinem Alltag kommen.
- SchreibaufgabeEine echte Mail oder ein Text, den du diese Woche brauchst, mit Stilprobe.
- DokumentaufgabeEin PDF hochladen und drei Detailfragen mit Seitenangabe stellen.
- DenkaufgabeEin echtes Problem: Preis kalkulieren, Wochenplan, Entscheidung abwägen.
- GegenprüfenFakten und Seitenzahlen nachschlagen, Fehler notieren.
- EntscheidenWelcher hat weniger nachgebessert werden müssen?
Der letzte Schritt ist der entscheidende. Nicht der schönere Text gewinnt, sondern der, an dem du weniger korrigieren musstest. Zähl die Stellen, die du ändern würdest. Das ist deine eigentliche Benchmark.
Eine Vorlage für die Dokumentaufgabe:
Im angehängten PDF: Welche drei Pflichten habe ich als Auftragnehmer?
Nenne zu jeder die Seitenzahl und zitiere den Satz wörtlich.
Wenn du etwas nicht findest, schreibe "nicht gefunden".
So prüfst du gleichzeitig, ob das Tool das Dokument wirklich gelesen hat und ob es bei fehlenden Informationen ehrlich bleibt. Mehr Prompt-Bausteine stehen im Beitrag gute Prompts schreiben.
Was ist mit Gemini und Copilot?
Die beiden sind keine schlechteren Alternativen, sondern spielen eine andere Rolle. Gemini lohnt sich vor allem, wenn du ohnehin in Google Workspace arbeitest. Copilot ist interessant, wenn dein Büro auf Microsoft 365 läuft, weil er dort in Outlook, Word und Teams eingebaut ist. Den Vergleich mit ChatGPT findest du im Artikel Copilot oder ChatGPT.
Unsere Einschätzung
Für die meisten Selbstständigen reicht ein Abo. Wer viel mit Bildern und Sprache arbeitet oder einfach ein Werkzeug für alles will, nimmt ChatGPT. Wer viel liest, schreibt und mit Dokumenten arbeitet, fährt mit Claude oft angenehmer. Beides ist eine Tendenz, kein Gesetz.
Wichtiger als die Wahl des Anbieters ist, was du daraus machst. Ein gut eingerichtetes Projekt mit Stilprobe, festen Anweisungen und den eigenen Unterlagen bringt mehr als der Wechsel zum vermeintlich besseren Modell. Wie das geht, zeigt die Anleitung eigenen KI-Assistenten erstellen.
Und wenn ein Chat-Assistent nicht mehr reicht, weil er auf eure eigenen Systeme zugreifen soll, ist das ein anderes Projekt. Dafür gibt es Studios wie OnlineBuilders, die Assistenten mit Zugriff auf interne Daten bauen.
Dein nächster Schritt: Öffne beide Gratisversionen in zwei Browserfenstern und gib ihnen heute noch dieselbe echte Aufgabe. Weitere Vergleiche sammeln wir unter Werkzeuge.
Häufige Fragen
Lohnt es sich, beide zu bezahlen?
Für die meisten nicht. Zwei Abos kosten rund 40 Dollar im Monat, und die Überschneidung ist groß. Sinnvoll ist es, wenn du beruflich viel schreibst und Bilder brauchst, oder wenn du Antworten bei wichtigen Fragen gegenprüfen willst.
Welcher ist besser auf Deutsch?
Beide schreiben gutes Deutsch. Unterschiede zeigen sich eher im Stil: Manche empfinden Claude als weniger floskelhaft. Teste es mit einem eigenen Text, denn Geschmack spielt hier mit.
Werden meine Chats zum Training verwendet?
In den Privattarifen beider Anbieter ist das Training mit deinen Eingaben standardmäßig möglich, lässt sich aber abschalten. In den Business-Tarifen ist es laut Anbietern von vornherein aus.
Kann Claude Bilder erzeugen?
Claude erzeugt keine Fotos oder Illustrationen wie ChatGPT. Es kann aber Dokumente, Folien und interaktive Inhalte erstellen. Wer regelmäßig Bilder braucht, ist bei ChatGPT besser aufgehoben.